UnternehmenWarum gründen Frauen seltener?

Claudia Gather, Ingrid BiermannOriginal ansehen
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Carla blum: Dreiunddreißig Prozent. So hoch ist der Anteil von Frauen an allen Unternehmensgründungen in Deutschland im Jahr 2020. Bei kapitalintensiven Start-ups, also Gründungen mit externem Wachstumskapital, fällt er auf sechzehn Prozent. Die Hälfte der Bevölkerung, aber weit weniger als die Hälfte der Gründungen. Claudia Gather und Ingrid Biermann fragen in ihrem Papier: Warum eigentlich? Emil: Und bevor wir ins Strukturelle gehen, verdienen die Zahlen einen Moment Aufmerksamkeit. Im Jahr 2020 wurden in Deutschland insgesamt fünfhundert siebenunddreißigtausend Unternehmen gegründet, davon ungefähr siebenundvierzigtausend Start-ups. Bei den Start-ups ist das Gefälle am deutlichsten. Die Frage ist, ob das an äußeren Barrieren liegt oder daran, dass Frauen andere Wege wählen. Carla blum: Gather und Biermann zeigen, dass beides eine Rolle spielt, aber strukturelle Faktoren kommen zuerst. Selbstständigkeit hängt stark vom Berufsfeld ab. In der Human- und Zahnmedizin sind vierundvierzig Prozent der Ärzte selbstständig, aber nur zweiunddreißig Prozent der Ärztinnen. Im Journalismus sind es neununddreißig Prozent der Männer gegenüber fünfunddreißig Prozent der Frauen. Das heißt, dass Gründungsraten sich nach Berufsfeld unterscheiden und Frauen häufiger in Feldern tätig sind, in denen kaum jemand gründet. Emil: Das klingt nach Wahlfreiheit. Wenn Frauen andere Berufe wählen, ist das dann eine Barriere oder nicht? Carla blum: Das ist genau der Punkt, an dem das Papier nicht einfach antwortet. Studien- und Berufswahl erklären den Gender Gap weitgehend, aber nicht vollständig. Start-ups entstehen besonders häufig aus Wirtschafts-, Ingenieur- und Informatikstudien, also Fächer, die Frauen seltener wählen. Aber warum sie diese Fächer seltener wählen, ist selbst strukturell geprägt. Emil: Und dann kommt die Finanzierungsseite. Frauen greifen bei Gründungen häufiger auf Erspartes oder privat geliehenes Geld zurück. Zugang zu Risikokapital, also Wachstumskapital von externen Investoren, haben nur sehr wenige Frauenteams. Förderprogramme, die nur Vollzeitgründungen oder Innovationen aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik unterstützen, schließen viele Frauengründungen strukturell aus. Carla blum: Und die soziale Absicherung macht es noch schwerer. Seit zweitausendsieben gilt zwar eine Krankenversicherungspflicht für Selbstständige. Aber der Mutterschutz gilt nicht für sie — es gibt kein Mutterschaftsgeld für Gründerinnen. Elterngeld steht Selbstständigen zu, ist aber auf zwölf Monate begrenzt, während die Unternehmenskosten weiterlaufen. Emil: Was mich dabei beschäftigt, ist die Frage: Ist das Fehlen von Mutterschutz eine Ursache für die geringe Gründungsrate oder entscheiden sich Frauen deshalb gar nicht erst für die Selbstständigkeit? Das lässt sich im Papier nicht vollständig klären. Carla blum: Gather und Biermann lassen das offen. Was sie aber klar benennen: Netzwerke und Vorbilder fehlen. Wer keine Gründerinnen im Umfeld kennt, dem fehlt unternehmerisches Humankapital, also das praktische Wissen, das man braucht, um ein Unternehmen aufzubauen. Emil: Und auf politischer Seite, was schlagen die Autorinnen vor? Carla blum: Anpassungen der Absicherung, gezielte Förderprogramme, Beratung und Netzwerkinitiativen. Als konkretes Modell nennen sie Solidarstrukturen wie die Künstlersozialkasse. Bisher zielen Maßnahmen vor allem auf Finanzierungsbarrieren, während Mutterschutz und Kostenkompensation in Elternzeiten für Selbstständige weitgehend ungelöst bleiben. Emil: Das Ergebnis von 16 Prozent bei Start-ups lässt sich also nicht auf einen einzigen Faktor zurückführen. Bildungswege, Finanzierungszugang, Absicherungslücken und Netzwerke greifen ineinander. Und wie viel davon Zwang und wie viel Wahl ist, das bleibt im Text bewusst offen. Carla blum: Diese Vorlesung wurde von ennepō erstellt. Besuche https://ennepo.ai, um die neueste Forschung in deinem Fachgebiet zu entdecken, zu erstellen und zu verfolgen. Lies, wann du kannst. Hör zu, wann du willst.
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Dreiunddreißig Prozent. So hoch ist der Anteil von Frauen an allen Unternehmensgründungen in Deutschland im Jahr 2020. Bei kapitalintensiven Start-ups, also Gründungen mit externem Wachstumskapital, fällt er auf sechzehn Prozent. Die Hälfte der Bevölkerung, aber weit weniger als die Hälfte der Gründungen. Claudia Gather und Ingrid Biermann fragen in ihrem Papier: Warum eigentlich?

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Und bevor wir ins Strukturelle gehen, verdienen die Zahlen einen Moment Aufmerksamkeit. Im Jahr 2020 wurden in Deutschland insgesamt fünfhundert siebenunddreißigtausend Unternehmen gegründet, davon ungefähr siebenundvierzigtausend Start-ups. Bei den Start-ups ist das Gefälle am deutlichsten. Die Frage ist, ob das an äußeren Barrieren liegt oder daran, dass Frauen andere Wege wählen.

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Gather und Biermann zeigen, dass beides eine Rolle spielt, aber strukturelle Faktoren kommen zuerst. Selbstständigkeit hängt stark vom Berufsfeld ab. In der Human- und Zahnmedizin sind vierundvierzig Prozent der Ärzte selbstständig, aber nur zweiunddreißig Prozent der Ärztinnen. Im Journalismus sind es neununddreißig Prozent der Männer gegenüber fünfunddreißig Prozent der Frauen. Das heißt, dass Gründungsraten sich nach Berufsfeld unterscheiden und Frauen häufiger in Feldern tätig sind, in denen kaum jemand gründet.

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Das klingt nach Wahlfreiheit. Wenn Frauen andere Berufe wählen, ist das dann eine Barriere oder nicht?

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Das ist genau der Punkt, an dem das Papier nicht einfach antwortet. Studien- und Berufswahl erklären den Gender Gap weitgehend, aber nicht vollständig. Start-ups entstehen besonders häufig aus Wirtschafts-, Ingenieur- und Informatikstudien, also Fächer, die Frauen seltener wählen. Aber warum sie diese Fächer seltener wählen, ist selbst strukturell geprägt.

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Und dann kommt die Finanzierungsseite. Frauen greifen bei Gründungen häufiger auf Erspartes oder privat geliehenes Geld zurück. Zugang zu Risikokapital, also Wachstumskapital von externen Investoren, haben nur sehr wenige Frauenteams. Förderprogramme, die nur Vollzeitgründungen oder Innovationen aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik unterstützen, schließen viele Frauengründungen strukturell aus.

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Und die soziale Absicherung macht es noch schwerer. Seit zweitausendsieben gilt zwar eine Krankenversicherungspflicht für Selbstständige. Aber der Mutterschutz gilt nicht für sie — es gibt kein Mutterschaftsgeld für Gründerinnen. Elterngeld steht Selbstständigen zu, ist aber auf zwölf Monate begrenzt, während die Unternehmenskosten weiterlaufen.

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Was mich dabei beschäftigt, ist die Frage: Ist das Fehlen von Mutterschutz eine Ursache für die geringe Gründungsrate oder entscheiden sich Frauen deshalb gar nicht erst für die Selbstständigkeit? Das lässt sich im Papier nicht vollständig klären.

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Gather und Biermann lassen das offen. Was sie aber klar benennen: Netzwerke und Vorbilder fehlen. Wer keine Gründerinnen im Umfeld kennt, dem fehlt unternehmerisches Humankapital, also das praktische Wissen, das man braucht, um ein Unternehmen aufzubauen.

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Und auf politischer Seite, was schlagen die Autorinnen vor?

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Anpassungen der Absicherung, gezielte Förderprogramme, Beratung und Netzwerkinitiativen. Als konkretes Modell nennen sie Solidarstrukturen wie die Künstlersozialkasse. Bisher zielen Maßnahmen vor allem auf Finanzierungsbarrieren, während Mutterschutz und Kostenkompensation in Elternzeiten für Selbstständige weitgehend ungelöst bleiben.

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Das Ergebnis von 16 Prozent bei Start-ups lässt sich also nicht auf einen einzigen Faktor zurückführen. Bildungswege, Finanzierungszugang, Absicherungslücken und Netzwerke greifen ineinander. Und wie viel davon Zwang und wie viel Wahl ist, das bleibt im Text bewusst offen.

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Diese Vorlesung wurde von ennepō erstellt. Besuche https://ennepo.ai, um die neueste Forschung in deinem Fachgebiet zu entdecken, zu erstellen und zu verfolgen. Lies, wann du kannst. Hör zu, wann du willst.

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